(vpod) Am morgigen Samstag schliessen die Verantwortlichen das altehrwürdige Regionalspital Menziken. Rund 150 Mitarbeitende verlieren ihren bisherigen Arbeitsplatz, das Wynental sein Akutspital. Jahrzehntelang haben die Beschäftigten für die Bevölkerung gesorgt. Nun müssen sie sich eine neue berufliche Zukunft aufbauen. Der VPOD Aargau/Solothurn kritisiert den Umgang mit den Betroffenen und macht deutlich: Mit dem letzten Betriebstag ist die Sache keineswegs erledigt.
Heute verabschiedet die Arbeitgeberin ihre Mitarbeitenden bei einem gemeinsamen Mittagessen. Morgen ist Schluss. Pflegefachpersonen, medizinisches Fachpersonal und weitere Beschäftigte haben dieses Spital über Jahrzehnte am Laufen gehalten. Sie haben nachts gearbeitet, an Feiertagen Dienst geleistet und Verantwortung übernommen, wenn Menschen dringend Hilfe brauchten. Ihre Arbeit war unverzichtbar. Ihre Arbeitsplätze sind es offenbar nicht mehr.
«Ein Mittagessen zum Abschied ist eine nette Geste. Aber wer jahrzehntelang für die Bevölkerung gearbeitet hat, verdient mehr als freundliche Worte und einen gedeckten Tisch. Entscheidend ist, wie viel Verantwortung die Arbeitgeberin in den vergangenen Monaten tatsächlich für die Betroffenen übernommen hat», sagt Dariyusch Pour Mohsen, Regionalleiter des VPOD Aargau/Solothurn.
Die Türen gehen zu. Die Rechnung bleibt offen.
Der VPOD hat gemeinsam mit den Beschäftigten für bessere Sozialplanbedingungen gekämpft, Personalversammlungen organisiert und zahlreiche Betroffene rechtlich begleitet. Doch wesentliche Fragen zwischen der Personalvertretung und der Arbeitgeberin blieben ungeklärt. Insbesondere über eine angemessene soziale Abfederung bestehen weiterhin Differenzen.
Deshalb hat der VPOD das kantonale Einigungsamt angerufen. Über die Einzelheiten des Verfahrens äussert sich die Gewerkschaft nicht. Eines ist jedoch klar: Wer einen Betrieb schliesst, erledigt damit nicht automatisch seine offenen Verpflichtungen gegenüber den Beschäftigten.
Über die Spitäler entscheiden wenige. Die Folgen tragen viele.
Menziken ist mehr als eine Spitalschliessung. Hier verlieren Menschen ihren Arbeitsplatz und eine ganze Region einen Teil ihrer bisherigen Gesundheitsversorgung. Darüber entscheiden wenige, die Folgen tragen viele. Die Beschäftigten haben sich organisiert, die Bevölkerung hat sich solidarisiert. Über hundert Menschen kamen an die Volksversammlung in Menziken. Die Zukunft unserer Arbeitsplätze und unserer Gesundheitsversorgung geht uns alle an. Sie darf nicht allein in Verwaltungszimmern entschieden werden.
«Ohne Personal gibt es kein Spital. Ohne gute Arbeitsbedingungen keine verlässliche Versorgung. Und ohne organisierte Beschäftigte und eine Bevölkerung, die sich einmischt, entscheiden andere über unsere Zukunft. Menziken muss uns eine Lehre sein: Wer seine Gesundheitsversorgung sichern will, muss seine Stimme erheben, bevor die Türen geschlossen werden», erklärt Pour Mohsen. «Der VPOD wird die betroffenen Beschäftigten weiterhin unterstützen und die offenen Fragen konsequent verfolgen. Den Mitarbeitenden, die das Spital über Jahrzehnte getragen haben, und allen Menschen, die sich solidarisch gezeigt haben, gilt unser Dank. Morgen können die Verantwortlichen das Spital Menziken schliessen. Die Verantwortung für ihre Entscheidungen können sie nicht einfach mit dem Schlüssel abgeben.»