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Fachhochschule Nordwestschweiz: Verbreitete Skepsis gegenüber KI

(pd) Künstliche Intelligenz ist in der Schweizer Bevölkerung angekommen, über alle Altersgruppen hinweg. Eine Befragung zeigt nun aber, dass dies nicht ohne Vorbehalt geschieht. Mehr als die Hälfte der Befragten vertraut den KI-Anwendungen nicht – trotzdem nutzen sie die Technologie rege. Gerade ältere Menschen stehen KI kritischer gegenüber als jüngere. Prof. Dr. Alexander Seifert, Experte für Techniknutzung im Alter an der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, ordnet ein.

In der Schweiz haben rund 86 Prozent der Menschen eine KI-Anwendung wie ChatGPT, Claude oder Gemini in den letzten drei Monaten genutzt. Das geht aus einer neuen Erhebung hervor, bei der 1009 Personen im Auftrag der Hochschule für Soziale Arbeit FHNW zu ihrem Nutzungsverhalten befragt wurden. Bei den Ergebnissen zeigen sich Unterschiede in Bezug auf die Intensität der Nutzung und das Vertrauen, das der Technologie entgegengebracht wird. Die Unterschiede sind auf das Alter, aber auch das Bildungsniveau zurückzuführen. Trotz Unterschieden nutzen bereits 68 Prozent der Personen ab 65 Jahren solche KI-Tools.

Während rund 44 Prozent der jüngeren Menschen von 15 bis 24 Jahren fast täglich KI-Anwendungen verwenden, sind es bei älteren Menschen ab 65 nur 13 Prozent. «Gerade im Alter ist es so, dass man KI nicht unbedingt nutzen muss», sagt Alexander Seifert. «Viele ältere Menschen probieren KI erst-mal aus. Zum Spass, um einfach mal zu gucken, was KI denn ist.» Klassische Berührungspunkte mit der neuen Technologie fehlen, etwa die Arbeit oder Schule – und damit auch Gelegenheiten, sich über die Funktionsweise, Chancen und Gefahren zu informieren.

Viel genutzt, aber wenig Vertrauen

Unterschiede zeigen sich auch in Bezug auf das Vertrauen in KI, doch weniger markant, als es die unterschiedliche Nutzung zwischen den Altersgruppen vermuten liesse. Das sei überraschend, sagt Alexander Seifert: «Normalerweise sieht man, dass mit mehr Nutzung einer Technologie auch das Vertrauen in sie steigt.» Zwar nimmt das Vertrauen mit dem Alter ab, doch selbst in der jüngsten Altersgruppe vertraut weniger als die Hälfte den Tools. Skepsis ist folglich kein ausschliessliches Altersphänomen.

«Doch was heisst das eigentlich? Dass wir alle eine Technologie nutzen, obwohl wir ihr nicht vertrauen», sagt Alexander Seifert. «Wir nehmen in Kauf, und zwar bewusst, dass etwas falsch sein könnte, nur weil es etwas schneller oder leichter geht.» Diese Ambivalenz drückt sich auch in der grundsätzlichen Einstellung zu KI-Anwendungen aus. Weniger als die Hälfte der Befragten bewertet KI-Anwendungen ausdrücklich positiv. Nutzung bedeutet also nicht automatisch Zustimmung.

Mangelnde Transparenz birgt Gefahren

KI stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen im Umgang mit Informationen. «Es wird schwieriger, die Qualität von Informationen einzuschätzen, weil kein klarer Absender wie Pro Senectute oder das BAG ersichtlich ist», sagt Alexander Seifert. «Das schafft viel Unsicherheit und dann auch mehr Aufwand.» Bei gesundheitlichen oder sozialen Themen wird es weiterhin den Kontakt mit einem Menschen brauchen, um sicherzustellen, dass Informationen tatsächlich stimmen. «Es gibt Fälle, wo ältere Menschen mit KI-generierten Flyern, wo z.B. Roger Federer angeblich für ein Medikament warb, in die Apotheke kamen», erzählt Alexander Seifert.

Solche Beispiele zeigen, wie wichtig fortlaufende Bildung ist. Digitale Kompetenzen – also der sichere Umgang mit der Technik – gehört zunehmend zum lebenslangen Lernen dazu. «Die Familie oder der Bekanntenkreis sind wichtig. Wenn Enkel und Grosseltern zusammen über KI reden, es ausprobieren, auch kritisch, hilft das schon viel», sagt Alexander Seifert.